Nach dem Focus nimmt sich nun ein zweites Massenmedium des Themas OpenID an - wie gehabt auf sehr deutsche Art und Weise: die Frankfurter Rundschau steigt unter der Überschrift “Öffner für viele Türen” zunächst mit dem gefloppten zentralistischen und vom Microsoft-Konzern dominierten Passport-System ein, um dann auf leider unanschauliche Art die Funktionsweise von OpenID zu erklären.

Als Sub-Titel muss - wie soll es anders sein - die Negativschlagzeile “Mißbrauch möglich” herhalten. Natürlich muß - wei bei einem guten Arzneimittel - auch hier über “Gefahren und Risiken” aufgeklärt werden, aber lieber Torsten Kleinz, der Ton macht doch die Musik! Wie sagte Dick Hardt, einer der bekanntesten OpenID-Evangelisten, doch sinngemäß so schlicht und ergreifend: Wenn wir Angst vor Mißbrauch haben, dann sollten wir auf Emails verzichten, unserem Internet-Zugansprovider kündigen, unsere Kreditkarte abschaffen, und am besten gleich ganz zuhause bleiben …

Immerhin muß man dem Autor zugute halten, daß er sich die Mühe machte Boris Erdmann von Xlogon und mich zu interviewen, wenn auch in meinem Falle ein 45-minütiges Telefonat voller Ausblicke auf glänzende Zukunftsperspektiven von OpenID zusammengeschrumpft wurde auf ein einziges Zitat in dem ich angeblich “ein Problem sehe”.

Um dies richtigzustellen: Ich sehe kein Problem darin, daß die Zahl der OpenID-fähigen Sites noch am Anfang einer sicherlich noch langen und aufstrebenden Entwicklung steht. Ich finde es lediglich bedauerlich, heute noch nicht den Komfort von OpenID auf allen in Frage kommenden Websites nutzen zu können, denn viele zukünftige Businessmodelle werden erst mit einer breiten Akzeptanz von OpenID attraktiv werden!

In einem gestrigen Gespräch mit OpenID Board-Member Johannes Ernst und dem - nach eigener Aussage - ersten Menschen auf diesem Planeten mit einer URL als Identität, waren wir uns einig, daß uns die Situation stark an die Anfangszeiten des Internets erinnert: Damals hiess es “wer braucht schon Internet, was soll man damit anfangen, da gibt es ja nichts zu finden”. Mit der steigenden Nutzung, mehr Websites und mehr Usern stieg jedoch auch der Mehrwert des Internets überproportional.

Das Ergebniss dieser Entwicklung kennen wir alle: heute ist das World Wide Web aus unserem Leben fast nicht mehr wegzudenken, fördert Weltwirtschaft und globale Kommunikation, und bringt Unternehmen mit einem Börsenwert hervor der die “alten Industrien” verdammt alt aussehen lässt.

Ich bin der Überzeugung, daß wir bereits Ende 2007 den Durchbruch von OpenID auf breiter Front erleben werden. Deutschland sollte seine “Bedenkenträger-Kappe” ablegen und sich durchaus kritisch, aber positiv-vorausschauend mit dem Thema beschäftigen. Die Decke über beide Ohren zu ziehen und erstmal zuzusehen was die Anderen machen, bringt hier nicht weiter.

Wir sind bei innovativen Internetkonzepten unter den Industrienationen bereits heute ein Schlußlicht und sollten den Aufbau eines Identitäts-Layers im Web, einer der letzten großen Herausforderungen des Internets, aktiv mitgestalten und nicht erneut eine der entscheidenden Entwicklungen verpassen.